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Pulseaudio vs Netzwerkstreaming vs funktionierende Software

^ v M ><
Wie verwandle ich einen Raspberry Pi, eine USB-WLAN-Karte und ein Paar USB-Lautsprecher in eine mobile Krachstation, welche die gleiche Musik wiedergeben kann, wie mein Hauptrechner? Nun, die Theorie wäre ja einfach: Auf dem Hauptrechner läuft mpd und dieser kann in quasi jedem gewünschten Format und Protokoll ausgeben. Dieser wird nun zwecks Steigerung der Verfügbarkeit erstmal auf den Intranet-Server gezügelt.


Der erste Versuch war, einen normalen Stream zu verwenden. Dazu wird wahlweise mpds integrierter Web/Streaming-Server gestartet (Nachteil: sobald man die wiedergabe pausiert, wird das Socket geschlossen, ein allfälliger Client wird deshalb terminiert), oder noch ein Icecast zwischengeschaltet (Vorteil: ein permanenter Stream, sobald mpd pausiert wird, strahlt Icecast ein (lautloses) Fallback-File in Endlosschleife aus). Leider hat diese Lösung einen riesigen Nachteil: Der Client hängt 2-10 Sekunden hinterher. Startet man die Wiedergabe, drückt man auf Pause oder wechselt manuell zum nächsten Lied, dauert es eine mittlere Ewigkeit, bis die Änderung beim Client ankommt. Fazit: für meinen Zweck unbrauchbar.


Na gut, zweiter Versuch. mpd Pipe-Output. Damit gibt mpd einfach einen rohen Audiostream per Pipe an ein anderes Programm weiter. Diesen Stream kann man entweder direkt per netcat übers Netzwerk raushauen oder aber, um das Netz nicht übermässig zu belasten, erst zu ogg codieren. Hierzu trägt man in der /etc/mpd.conf folgendes ein:
audio_output {
type "pipe"
name "my pipe"
command "oggenc -r -Q -q4 - | nc 192.168.0.60 8765"
}

Auf der Empfängerseite wird mittels xinetd ein passender Empfänger bereitgestellt. Dazu benötigt man einerseits eine Konfiguration für xinetd unter /etc/xinetd.d/oggplay:
service oggplay
{
port = 8765
type = UNLISTED
socket_type = stream
wait = no
user = root
server = /usr/local/bin/oggplay.sh
log_on_failure += USERID
disable = no
}

Leider scheint diese nur mit root-Rechten zu funktionieren, von xinetd aus gestartet kann ein Prozess des eingeschränkten Benutzers aus irgend einem Grund nicht auf die Soundhardware zugreifen (von einer Login-Shell aus geht das jedoch). Genauer untersucht habe ich das nicht, da ich ja erst mal einen Proof-Of-Concept wollte. Ebenfalls wird noch das eigentliche Player-Skript unter /usr/local/bin/oggplay.sh benötigt:
#!/bin/bash
/usr/bin/ogg123 -v -d wav -f- - | /usr/bin/aplay -v -D sysdefault:CARD=USB

Das funktionert soweit... nicht wirklich. Der erste Song konnte in aller Regel noch wiedergegeben, spätestens nach dem ersten Songwechsel waren dann aber massive Aussetzer in der Wiedergabe. Kein Wunder, hier wird ja auch überhaupt nichts gepuffert. Sehr traurig allerdings, dass es auch über Ethernet mit geringer Latenz/Jitter kein Bisschen besser funktioniert als über WLAN. Fazit: unbrauchbar.


Als nächstes habe ich dann zu ganz radikalen, verzweifelten Massnahmen gegriffen und im dritten Versuch angefangen, meine Systeme mit Pulseaudio zu verschandeln (und natürlich erst noch ein Diskimage gezogen). Auf dem Server werden folgende Pakete und Konfiguration benötigt:
aptitude install pulseaudio pulseaudio-utils mpd mpc

/etc/mpd.conf:
audio_output {
type "pulse"
name "Multicast RTP"
sink "rtp"
}

/etc/pulse/default.pa in Debian 6 / PA 0.9:
#! /usr/bin/pulseaudio -nF
load-module module-native-protocol-unix
load-module module-suspend-on-idle timeout=1
load-module module-null-sink sink_name=rtp description="Multicast RTP"
load-module module-rtp-send source=rtp.monitor

bzw unter Debian 7 / PA 2.0:
#! /usr/bin/pulseaudio -nF
load-module module-native-protocol-unix
load-module module-suspend-on-idle timeout=1
load-module module-null-sink sink_name=rtp sink_properties="device.description='RTP Multicast Sink'"
load-module module-rtp-send source=rtp.monitor

/etc/pulse/daemon.conf:
exit-idle-time = -1
default-sample-format = s16le

Das war's schon :-)
Nehmen wir nun den Raspberry in Angriff. Zuerst werden ein paar PulseAudio-Konfigurationswerkzeuge installiert:
aptitude install paman paprefs pavucontrol

Des weiteren wird PulseAudio so konfiguriert, dass standardmässig die USB-Lautsprecher verwendet werden. Hierzu genügt die Zeile "default-sink = 1" in der Datei /etc/pulse/client.conf.
Startet man nun die grafische Oberfläche und aktiviert dort den RTP-Empfang per Klickibunti in paprefs, haut die Sache auch sofort hin. Das ist aber witzlos, wenn die Kiste ja nachher Headless und ohne angemeldeten Benutzer funktionieren soll. Folglich beendet man X11 wieder. In den Howtos zu diesem Thema (u.a. auch in den Raspberry-spezifischen Diskussionen wie hier und hier) wird gesagt, dass "einfach nur" in /etc/pulse/default.pa die Zeile "load-module module-rtp-recv" einfügt und PulseAudio durch Änderung in /etc/default/pulseaudio als Systemdienst eingerichtet werden soll. Eventuell muss man noch in der /etc/pulse/daemon.conf "resample-method = src-sinc-fastest" eintragen. Nach einem Neustart soll es auch schon laufen. Simpel, oder? Da muss ein Haken dran sein! Ist auch so. Davon zeigt sich das System nämlich überhaupt nicht beeindruckt und bleibt mucksmäuschenstill.
Was ist nun also der Unterschied zwischen der Kommandozielen- und der GUI-Konfiguration? Keine Ahnung. Auch "pacmd dump" hilft hier nicht weiter. Wie bekommt man den Dreck trotzdem zum laufen? Nun, wie so oft mit der beliebten Methode "von hinten durch die Brust ins Auge": Die Änderung in /etc/default/pulseaudio wird wieder rückgängig gemacht, so dass Pulseaudio nicht beim Systemstart gestartet wird. Danach trägt man in die /etc/rc.local einen fixen Aufruf des PulseAudio-Dienstes ein, und zwar mit folgender Zeile:
su pi -c 'pulseaudio -D --log-target=syslog --start --realtime --resample-method=src-sinc-fastest'

und Tadaaaa! Es lärmt, sobald der mpd anfängt zu spielen. Allerdings ist "Lärm" wirklich die passende Bezeichnung. Die Wiedergabe scheppert leicht, was wohl dem Resampling geschuldet ist.

Jetzt steht mir nur noch eines bevor: Auch meinen Desktop mit Pulseaudio zu ruinieren. Dies, nachdem das aktuelle Alsa-Setup doch prächtig funktioniert.

Sonisphere Festival 2011

^ v M ><
Letztes Wochenende war ich am Sonisphere. Nun ja, hier eine kurze Kritik.

Positiv:
  • Alle Bands, die ich sehen konnte, haben ausserordentlich gut gespielt.
  • Für das Lineup sind CHF 180.- nicht zuviel. Sofern man alle interessierenden Band sehen könnte.
  • Das Wetter war im Gegensatz zum letzten Jahr hervorragend. Logisch, war diesmal ja auch 3/4 Indoor.
  • Man durfte fotographieren! Ist heute ja leider nicht mehr selbstverständlich.
  • ÖV im Ticket integriert macht die Anreise bequem.


OK, kommen wir zu den negativen Punkten:
  • Am Donnerstag erst mal über ne Stunde warten, bis man gnädigerweise reingelassen wurde. Tja, wenn man 10'000 Tickets verkauft, kann natürlich auch keiner damit rechnen, dass dann plötzlich 10'000 Leute vor der Türe stehen und rein wollen. Darum macht man auch nur drei kleine Tore auf und nimmt besonders sehschwache Securities, die dann Mühe haben die Tickets äusserst umständlich zu kontrollieren. Dies, nachdem man schon mühsam ein Bändchen tauschen musste. Konsequenz: Shakra verpasst. Ja, auch für die hab ich 180.- bezahlt.
  • Thema Bändchen. Billigste Papierdinger, noch nicht mal individuell bedruckt. Souvenierwert gleich null. Stoffbändchen wären nicht nur ästhetischer gewesen, sondern auch sicherer. Standardbändchen kann jeder selbst kaufen, auch Diebesbanden. Kein Wunder, dass auf der Facebook-Fanpage so viel über Diebstahl gejammert wurde. Man hat es den Banden ja auch leicht gemacht, hineinzukommen.
  • A propos Diebstahl: CHF 45.- und mehr für die Shirts ist eine Frechheit. Dasselbe Judas Priest Shirt habe ich am Swedenrock Festival für SEK 250.- erhalten. Das entspricht CHF 37.-
  • Wer auch immer den Zeitplan erstellt hat: Foltert ihn zu Tode!!! Sowas darf man echt nicht dem hiphophörenden Praktikanten überlassen.
  • Dass der Zeitplan noch leichte Korrekturen erfahren hat, war ja schön und gut. Allerdings sollte man sowas nicht ganz so kurzfristig z.B. wie am Morgen früh vornehmen.
  • Subwoofer hat man wohl vergessen zu mieten...
  • Videoleinwände sind toll, aber auf Höhe der Bühne montiert nutzen sie genau gar nichts.
  • Unter "Market Place" verstehe ich etwas leicht anderes als einfach drei Frittenbuden, die nebeneinander stehen. Das hat auch der Jesuslatschenstand in der Nähe nicht mehr rausreissen können.
  • Die Getränkepreise waren knapp OK, aber das Essen war mehrheitlich einfach zu teuer.
  • Ich war schon lange nicht mehr an einer Indoor-Veranstaltung, an der so saumässig viel gequalmt wurde. Mir ist schon klar, dass die Nikotinjunkies grundsätzlich asozial sind, aber meist hilft es ihrem Gedächtnis (oder sozialen Gewissen), wenn man ein paar Rauchverbotschilder aufhängt und als Extremmassnahme ab und zu eine Durchsage macht.
  • Während dem In Flames Konzert bildete sich plötzlich eine Versammlung von vier breitschultrigen, schwarz gekleideten Glatzköpfen mit patriotisch wirkendem Emblem auf dem Rücken. Neonazis, die vor Kreator geflohen sind? Nichts da, das war die Security-Nachtverstärkung. Und die ging sofort so filigran ans Werk wie die Axt im Walde. Raucher dazu bringen, mit ihrem asozialen Verhalten aufzuhören ist ja schon OK, aber über eine Distanz von 10m anleuchten, anschreien und abschliessend den Krebsstängel aus der Hand schütteln eben nicht. Oder: Einen neben seinen Kumpels schlafenden, besoffenen 16jährigen aufwecken ist auch eher grenzwertig, ihn mit dem lederbehandschuhten Schraubstock am Kinn zu packen und seine Sehkraft mit der Maglite ruinieren hingegen jenseits jeder Grenze. Klar könnte der unter Drogen gestanden haben. Aber etwas mehr Fingerspitzengefühl bei der Prüfung darf man ja wohl erwarten.


Das sind nur die Dinge, welche mir widerfahren bzw aufgefallen sind. Auf der Facebook-Fanseite tönt es gelegentlich noch wesentlich schlimmer. Ich habe keine Ahnung, was die nächstes Jahr für Bands organisieren müssen, damit ich da nochmals hingehe.

Killersportverbot

^ v M ><
Na endlich geht es weiter mit der Verbietitis. Still und heimlich hat die luzerner Kantonsregierung eine Standesinitiative zum Verbot von Killersportarten eingereicht. Natürlich waren sich die grossen, renommierten Zeitungen der Schweiz zu schade um darüber zu berichten. Und die kleine Depesche in der 20min ist auch nicht aussagekräftig. Mit etwas Recherche lässt sich dann aber trotzdem herausfinden, wer da dahinter steckt. SVP? CVP? SP? Nein, nicht die Standardverdächtigen, wenn es um Einschränkungen der liberalen Gesellschaftsordnung geht, sondern die Grünen! Gratuliere. Damit hat sich also auch die letzte grössere Partei endgültig unwählbar gemacht. Da muss man sich auch nicht länger wundern oder empören, wenn die Schweiz nur auf Platz 14 von 30 in der Studie der Universität Zürich (!!!) über die besten Demokratien eingestuft wird, wohlgemerkt hinter den USA und Deutschland.

Doch was ist nun das Problem an der Sache? Ist doch OK, wenn sich Leute nicht mehr die Fresse einschlagen dürfen. Leider ist's nicht so einfach. Erstens machen sie das besser im Dojo oder Ring als auf schweizer oder auch münchner Strassen. Zweitens sollen die Verbote Ultimate Fighting und Mixed Martial Arts umfassen. Grad letzteres ist aber überhaupt nicht klar definiert und wird vor allem von Brazilian Jiu-Jitsukas betrieben. Ergo führt ein Verbot von MMA direkt zum Verbot von Brazilian Jiu-Jitsu. Und da ich einem luzerner Katholenbünzli nicht genügend Weltoffenheit und Intelligenz unterstelle, um einen Unterschied zwischen Brazilian Jiu-Jitsu und traditionellem Jiu-Jitsu zu sehen, wird zweiteres wohl bald auch verboten werden. Und damit dann bald auch Judo, Karate, Kickboxen, Muai-Tai, Wing-Tsun, Kempo, Kung-Fu, Aikido... weil schaut ja alles irgendwie ähnlich aus.

Gratuliere, liebe Politiker. Irgendwie versteh ich euch ja. Weil so Killersportarten sind ja nur was für aggressive Männer mit Testosteronüberschuss, die dann zuhause ihre Frau mit der Dienstwaffe bedrohen. Aber damit wollt ihr mir nach den Killerspielen also schon die zweite Freizeitbeschäftigung verbieten. Jetzt fehlt eigentlich nur noch das Heavy-Metal-Verbot. Weil ist ja alles nur brutale Musik. Allerdings lasst euch gesagt sein, liebe Christentaliban aus der Innerschweiz, die bösen, satanischen Rückwärtsbotschaften sind auch in Radio-DRS-kompatibler Musik zu finden. Das beschränkt sich nicht nur auf Metal.

Wie, du kaufst noch CDs?

^ v M ><
Ich bin ja nun schon mehrfach wie ein Mondkalb angeglotzt worden, weil ich tatsächlich noch richtige CDs kaufe und diese in ein ach so platzverschwendendes Regal stelle. Die Lösung wär doch gemäss meiner Gesprächspartner so einfach: Bei einer der grossen amerikanischen Firmen, deren Namen mit einem A beginnt die Musik zu günstigen Preisen in virtueller Form kaufen.

Nun gut. Das angebissene Obst kommt nicht in Frage, weil man dazu eine Software braucht, die nur und ausschliesslich unter proprietären Betriebssystemen funktioniert. Ausserdem ist deren Format AAC, womit mein alter ogg/mp3-Player definitiv nicht umgehen kann und ich mein aktuelles Smartphone nicht getestet habe.
Aber es gibt ja noch diese weibliche Kriegerin, die ebenfalls ein Download-Angebot hat und dabei sogar (patentbehaftete) mp3s anbietet. Von ihr hab ich neulich ein Mail bekommen, worin ein kostenloser Sampler zum Download angeboten wird. Na in dem Fall probieren wir die Sache doch mal aus! Für Albumdownloads bieten sie eine proprietäre Software an, welche es praktischerweise auch für Linux gibt. Zu den unterstützten Distributionen gehört z.B. Ubuntu 8.10, dessen Name schon andeutet, dass es 2 Jahre alt ist. Na gut, schauen wir doch mal, das das .deb unter Ubuntu 10.04 so macht:
gdebi meint nach Doppelklick in fett rot: "Fehler: Falsche Systemarchitektur »i386«" Oh! Ich hab ja ein 64bit System. Tjaaa, mal die Suchmaschine meines geringsten Misstrauens bemüht und bin sogleich auf eine Anleitung gestossen. Alles klar, ich brauch nur ein dubioses Skript laufen lassen und manuell ein paar veraltete Pakete installieren.

Und siehe da, danach läuft die Sache. Zumindest vorerst. Ob die Software dann auch unter Ubuntu 10.10 oder Debian 6 oder einem aktuellen Gentoo laufen wird, steht in den Sternen. Abgesehen davon, dass so Binärmüll auf meinem System sowieso nur wenig erwünscht ist.

Wie auch immer. Meine CD-Regale hab ich schon vor langer Zeit gekauft. Die Regalwand bietet derzeit auch noch etwasPlatz und wär auch relativ einfach erweiterbar. Daher bleib ich lieber weiterhin dabei, die Musik auf realen Scheiben zu kaufen und danach händisch in Ogg/Vorbis umzuwandeln. Das dauert zwar etwas länger, dafür weiss ich dann auch, was ich hab.

Friday, Muddy Friday

^ v M ><
Über 20 Stunden Monsun und über 20'000 Paar Füsse verwandeln jeden Boden effizient in ein Schlammloch. So auch beim Sonisphere Festival. Daher war gutes Schuhwerk absolute Pflicht. Dies haben wohl die grosse Mehrheit der männlichen Besucher ebenfalls festgestellt und die Gelegenheit für ein ausserordentliches "Marschtraining" genutzt. Eine gute Mehrheit der Männerfüsse steckte nämlich in Kampfstiefeln. Meine Füsse blieben jedenfalls warm und trocken, obwohl der Matsch an der tiefsten von mir betretenen Stelle bis genau an die Oberkante der Schuhe gereicht hat und ich mindestens 12h lang nonstop in der Sauce drinstand. Daher: Vielen Dank liebe beste Armee der Welt für dieses in der Tat hervorragende Schuhwerk. Wer hätte je gedacht, dass ich mal "liebe Armee" ohne spöttische Hintergedanken schreiben würde?

Auf der Heimfahrt stellten wir dann noch fest, dass sich der Schlamm nun über die ganze Schweiz legen wird. Schwarzenbach war durchgehend von einer dicken Schicht überzogen, der Extrazug komplett braun bestrichen aber sogar der Bahnhof Zürich war noch komplett bedeckt. Sogar mein lokaler, kleiner Vorortbahnhof hatte unübersehbare Spuren. A propos Extrazug, hier grad noch ein zweites Lob, dieses Mal an die SBB: Wider jeglichste Erwartungen konnten die ein funktionierendes Extrazugkonzept auf die Beine stellen. Die Überraschung liegt jedoch nicht darin, dass es funktioniert, sondern dass es überhaupt existiert hat! Lediglich einen Schönheitsfehler gab es, nämlich dass zu knapp bemessene Billetausgaberessourcen zur Verfügung gestellt wurden, um die tausenden billetlosen Passagiere in vernünftiger Zeit abzufertigen. Neben einem Automaten grad mal zwei Kontrolleurinnen mit ihren Handgeräten war doch zu wenig.

Immerhin hat es über ein Dutzend Festivalbesuche gebraucht, um mich endlich mal in den zweifelhaften Genuss einer richtigen Schlammschlacht zu bringen. Und jetzt weiss ich, wie es sich im Schlaraffenland anfühlen dürfte, wenn man durch eine grosse Schüssel Mousse au Chocolat durchmarschiert ;-)

Das Festival selbst war gar nicht schlecht. Billettausch gegen billig-hässliches Papierarmband ist natürlich etwas armselig, aber für ein Eintagesfestival (bzw 1.5-Tagesfestival) zu verkraften. Dass bei der Einlasskontrolle primär nach Essen und Trinken statt nach Waffen geprüft wurde, ist nicht nur etwas armselig sondern regelrecht erbärmlich. Aber es zeigt den Geist der aktuellen Zeit, Umsatz ist wichtiger als Gesundheit. Immerhin, die St. Galler wissen noch Essen und Bier zu machen, gut geschmeckt hat beides. Lediglich die Preise waren die übliche Frechheit. In Anbetracht des moderaten Eintrittspreises und der Qualität der spielenden Bands ist aber klar, dass das Geld irgendwie irgendwo hereingeholt werden muss.
An der Soundabmischung gibt's eine Menge auszusetzen. Hier mal ein Tipp an den Soundmischer: Der Höhenregler ist nicht dafür konzipiert, dauernd und abrupt von einem Extrem zum Anderen umgeschaltet zu werden. So kurz vor Schluss (d.h. nachdem Metallica 2/3 ihres Sets durchhatten), wurde es so langsam richtig gut. Aber grad bei Anthrax waren die Soundschwankungen einfach zu extrem. Abgesehen davon waren die Konzerte allesamt sehr gut, sogar Slayer haben statt dauernder zweiminütiger Gedenkpausen zwischen den Songs ab und zu fliessend zusammenhängend gespielt. Das Metallica-Set bestand vor allem aus den ganz alten Kill/Ride/Master-Gassenhauern, das war sehr genial! Schade nur, dass ich von Volbeat wiederum nur das halbe Set mitbekommen hab, weil wir doch noch einen vernünftig früh fahrenden Zug erwischen wollten.

Übrigens: wer nun ab des Titels dieses Eintrags eine Melodie der Weltverbesserungspopper U2 anstimmen will, der hat einen Tritt mit den oben gezeigten Stiefeln in den Allerwertesten verdient. Anlässlich eines Metalfestival passt hierzu natürlich nur die Meldodie eines ähnlich lautenden Stücks von Black Sabbath (das sowieso das ältere von beiden ist).

Fotographie heute

^ v M ><
Video- / Foto- und Tonaufnahmen
Foto-, Bild-, Video- und Tonaufnahmen sind auf dem ganzen Konzertareal verboten. Vorschrift der auftretenden Künstler!

Ja genau. Herzlich willkommen im Zeitalter der Mobiltelefone mit integrierten Kameras ab fünf Megapixel Auflösung und optischem Zoom.

Aber Metallica hatten es ja noch nie so wirklich mit modernen elektronischen Medien.

Wer hätte das gedacht?

^ v M ><
Jetzt haben wir seit Jahren Weltwirtschaftskrise und nun ging tatsächlich der weltweite Umsatz der Musik zurück!?!?!? Nein!!!! Wie kann sowas nur passieren??? Ach, ganz klar, natürlich sind die Raubmordkinderschändnaziterrorkopierer dran schuld.

Bei der Kreation dieses leicht überidentifizierenden Ausdrucks vor einigen Jahren war ich sogar noch leicht prophetisch, denn was labern die Leute von der Musikmafia zum Thema? Genau:
Bei einem Seminar der amerikanischen Handelskammer in Stockholm anno 2007 habe sich der IFPI-Jurist Johan Schlüter offen über die Diskussion um Internet-Sperren gegen Kinderpornografie gefreut: Kinderpornografie sei ein Verbrechen, gegen das Politiker wesentlich leichter zu überzeugen seien einzuschreiten, als gegen abstraktere Konzepte wie Urheberrechtsverletzungen. Wenn solche Sperren erst mal gesetzlich etabliert und gesellschaftlich akzeptiert seien, ließen sie sich leicht dazu nutzen, auch das Verbreiten illegaler Kopien übers Internet einzudämmen.

(2007 war mir diese Aussage noch nicht bekannt, die geistert erst seit ein paar Tagen durch die Presse). Aber das ist gut zu wissen, was der Herr Musikmafioso da sagt. Schliesslich hat ja keiner unserer Volksvertreter vor, eine Mauer zu bauen... äääh ein missbrauchbares Zensursystem einzurichten.

PS. Liebe Musikmafia, mein Musikkonsum gegen mein sauer Verdientes im Verlauf der letzten Woche:
- 1x Konzertticket für CHF 37.50
- 1x T-Shirt für CHF 30.-
- 12x CD im Gesamtwert von ca CHF 170.-
- 0.25x Billag Radiogebühr ca CHF 3.- (ohne jegliche Gegenleistung)
Also bitte anderswo heulen gehen.

Daten kann man nicht stehlen.

^ v M ><
Das sag nicht ich, das sagt... festhalten! ...die bayrische Justizministerin.

Damit also, liebe Raubmordkinderschändnaziterrorkopier-behaupter von der Musik-MAFIA wär's ja wohl ein für alle Mal geklärt: Der Download von Musik ist kein Diebstahl. Denn was für Schwarzgeldkontendaten gilt, gilt wohl auch für alle sonstigen Arten von Daten. Danke Frau Merk!

Klassiker

^ v M ><
Posted by Lukas on
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Ich hab mir bei einem grossen bekannten Versandhandel einen Klassiker der Musikgeschichte gekauft. Das stand in der Bestellbestätigungsmail:
1 "Black Metal"
Venom; Audio CD; EUR 6,68

Preislich fast OK, aber für eine Scheibe mit dem Titel "Black Metal" 6.68€ zu verlangen, ist sowas von fail. Oder meinte da Luzifer persönlich "just my 2 cent"?

Boxen reparieren

^ v M ><
Meine grossen Lautsprecher sind älter als ich. Kein Wunder, dass die nicht mehr so fit sind. Das äussert sich insbesondere in einem Phänomen, das sich fachmännisch bezeichnet als sogenanner "Sickenzerfall" äussert. Die Sicke ist ein Gummiring, der die Membran am Gehäuse fixiert. Gummi hat allerdings die Eigenschaft mit dem Alter spröde zu werden. Dann noch ein kräftig wummernder Bass drauf, und die Sache besteht aus kleinen Bröseln. Dem Klang ist das natürlich alles andere als zuträglich.

Bevor ich nun für viel Geld die Boxen in die Reparatur gebe oder gar für noch mehr Geld neue Boxen kaufe, repariere ich diese natürlich selbst. Das Problem dabei: Woher neue Sicken nehmen? In der Schweiz gibt es zwar ein paar Lautsprecher-Reparaturdienste, doch antworten diese nicht auf Emails oder wollen keine Sicken einzeln verkaufen. Nun, jeder wie er will. Immerhin gibt es in Deutschland einen dedizierten Webshop, der nur Sicken verkauft (Schleichwerbeeinblendung). Kurzum die Boxen ausgemessen, die passenden Exemplare samt Leim bestellt und schon nach drei Tagen (inkl. Wochenende!!!) lagen sie in meinem Briefkasten. Merke: Die Post stellt Briefe aus dem unmittelbar nahen Hamburg wesentlich schneller zu als aus dem auf der anderen Seite der Welt liegenden Winterthur (6 Tage, inkl Wochenende).

Jetzt konnte ich loslegen mit der Bastelarbeit. Erst hab ich die Resten der alten Sicken mit Messer und Alkohol in mühsamer Kleinarbeit entfernt. Anschliessend konnte ich die neuen Sicken dank der beigelegten Anleitung relativ problemlos einkleben. Danach liess ich den Kleber über Nacht trocknen. Als Testlauf gab es dann erst was für mich eher untypisches, Tschaikowskis Ouvertüre 1812, welche gemäss Wikipedia ideal sei um Boxen zu testen. Natürlich in adäquater Lautstärke hehehehe.

Und die Boxen wurden grad rechtzeitig fertig. Heute Morgen hat mich mein Nachbar um 7:30 mit seinen Latin Beats geweckt. Na, jetzt kann ich wieder wuchtig zurückschlagen. Die Bässe klingen jedenfalls wieder richtig kräftig und satt. So macht Musik hören Spass!

Immer wieder was Neues

^ v M ><
Die Musikmafia lässt sich auch immer wieder was Neues einfallen, um die User zu schikanieren. Heute hat mir mein Mediaplayer z.B. folgende Meldung präsentiert:
Unfortunately, due to licensing restrictions from some of the major music publishers we can no longer return lyrics through the LyricWiki API (where this application gets some or all of its lyrics).

The lyrics for this song can be found at the following URL:
http://lyricwiki.org/Pretty_Maids:Yellow_Rain

Pretty Maids:Yellow Rain


(Please note: this is not the fault of the developer who created this application, but is a restriction imposed by the music publishers themselves.)

Lyric from LyricWiki


Musikmafia, geht endlich sterben!

Ich frag mich allerdings, wieso ich den Tod von euch unverschämten Gierschlünden auch noch aktiv verzögere durch massenhaften Kauf von CDs, Konzerttickets und Merchandise *argh*

Happy Birthday: Ode an den Raubgesang

^ v M ><
Hier mal ein anschauliches Beispiel über die krankhafte Perversion unserer aktuellen Urheberrechtsgesetzgebung. Diese sieht nämlich vor, dass ein Werk bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers urheberrechtlich geschützt bleibt. Dies hat zur Konsequenz, dass man bekannte Lieder eigentlich gar nicht singen dürfte.

Als Beispiel, wieso das bescheuert ist, ziehe ich jetzt mal das allseits bekannte Liedchen "Happy Birthday" heran, dessen Neuinterpretation auf kaum einer Geburtstagsfeier fehlt. Geschrieben wurde das gute Stück gemäss Wikipedia 1893, die Co-Komponistin ist 1946 verstorben. Somit geniesst diese unterdessen satte 116 Jahre alte Komposition weiterhin urheberrechtlichen Schutz, welcher bei uns erst 2016, also nach 123 Jahren, auslaufen wird.

Somit ist es hier noch für die nächsten 7 Jahre ein krasser Urheberrechtsverstoss (Raubsingen!!!), wenn man das Lied öffentlich aufführt. Natürlich könnte man sich nun überlegen, nach der nächsten Geburtstagsfeier der SUISA ein Meldeformular zu senden und anzufragen, was denn die einmalige nichtkommerzielle Verwertung und Aufführung vor ca 40 unfreiwilligen Zuhörern (geschätzte durchschnittliche Belegung einer Bar) denn so kosten würde. Und ob es mehr kostet, wenn man den Text auf englisch, deutsch, französisch und italienisch zum Besten gegeben hat.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist ja, dass der Glückwunschtext letztendlich als Copyrightverletzung entstanden ist! In Australien ist man übrigens schon etwas konsequenter: Da kann man tatsächlich fürs Singen gebüsst werden. Nicht wegen versuchter Körperverletzung, wie man vielleicht hätte erwarten können, nein, tatsächlich wegen raubsingender Copyrightverletzung!

Leute mit Musikgeschmack

^ v M ><
Posted by Lukas on
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Nanu, in meiner Nachbarschaft gibt es doch noch Leute mit Musikgeschmack? Jetzt hör ich schon zum dritten Mal diese Woche leise Klänge, die eindeutig nach Journey tönen, aus dem Nachbarshaus. Es ist zwar immer das gleiche Lied, nämlich "Don't Stop Believin'". Aber das ist schon mal ein ganz gewaltiger Fortschritt, insbesondere verglichen mit lauten lateinamerikanischen Rhytmen an Wochenendmorgen, die ich lieber durchschlafen würde.